Hummerfang nach dem Zweiten Weltkrieg

Artikelserie von ERICH-NUMMEL KRÜSS

hummer_helgoland_historieHelgoländer Hummer. Grafik:
Historische Abbildung (gemeinfrei)

Da Helgoland am 18. April 1945 durch einen schweren Luftan­griff der Royal Air Force völlig zer­stört wurde, mussten alle Bewohner die Insel verlassen. Nachdem die Engländer am 18. April 1947 schließlich auch noch Helgolands unterirdische Anlagen mit 6.700 Tonnen Sprengstoff in die Luft sprengten, glaubte kein Helgoländer Fischer jemals wieder die Insel betreten zu können.

Aber sie waren ja Fischer, Hummer­fischer, und Hummer gab es nur in der Nordsee in unmittelbarer Nähe ihrer Insel. So bemühten sie sich schon im Jahre 1946 um seegängige Schiffe und um Material für den Bau von Hummer­körben. Einige Fischer hatten ihre Boote behalten, ließen sie aufzimmern und mit einer kleinen Kajüte versehen. Aber einige wagten sich auch mit den abenteuerlichsten Fahrzeuge auf die Nordsee.

Einige Bootsnamen und Eigner aus der Zeit:

  • Boot „Margaretha en Anni“ mit Peter Kanje und Jonny Nickels
  • Boot „Frühling“ mit Peter Bartz „de Beär“ und William Denker
  • Boot „Pirat“ mit Jasper D. Denker, Hinrich Wichers und Jasper Stolt
  • Boot „Eta Elisabeth” mit Richard Hornsmann, Harlich Krüß und Erich-Nummel Krüss

Es war eine schwere Zeit. Die Insel anzulaufen, war auch bei noch so schlechtem Wetter verboten. Obwohl man immer noch wie im Krieg lebte, halfen aber gute Fangerfolge über vieles hinweg. Die Luftangriffe der Royal Air Force, die Helgoland weiterhin als Übungsziel nutzten, liessen die Fischerei oft ein Spiel mit dem Tod werden. Die besseren Jahre kamen mit der Währungsreform, es konnten sich Kutter, also gedeckte Fahrzeuge angeschafft werden, die das Leben an Bord etwas komfortabler machten. Nach der Freigabe der Insel am 1. März 1952 konnte man nachts wieder ohne Angst im Hafen liegen, und alles schien wieder ziemlich normal.

Ab 1953/54 ging der Hummerfang stark zurück, und es war schwieriger damit seinen Lebens- und den Unterhalt des Schiffes zu bestreiten. Seit dieser Zeit sind die Fangergebnisse weiterhin rückläufig, und es werden nur von sehr wenigen Hummerfischern noch geringe Mengen Hummer gefangen. Zum Glück hat sich die Zahl der Taschenkrebse stark vermehrt, so dass die wenigen Fischer sich mit den Kniepern – den Taschenkrebsscheren – einen bescheidenen Nebenverdienst sichern. Sie werden heute als Helgoländer Delikatesse in vielen Restaurants angeboten.

(Gestaltung: Andreas Bubrowski)

Artikel zur Serie

  1. Die Hummerfischerei vor Helgoland – Fanggründe (24.02.2013)
  2. Fanggeräte und Methoden der Hummerfischerei (29.03.2013)
  3. Fangmengen und Fangzeiten der Hummerfischerei (30.04.2013)
  4. Hummerhandel und Hummerversand (31.07.2013)
  5. Hummerfang nach dem Zweiten Weltkrieg (30.09.2013)

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