Rechtsprechung auf Helgoland: drastische Urteilssprüche

Serie „Geschichte und Geschichten der Insel Helgoland“ von OTTO-ERWIN HORNSMANN1

Friedrich V., von 1746 bis 1766 König von Dänemark und Norwegen. Abb. gemeinfrei

Auch einige drastische Urteilssprüche des Gerichts sind uns überliefert:

„Im Jahre 1751 erging ein Urteil gegen einen Übeltäter, der seine Schwiegermutter „vor eine Diebin“ gescholten und ihr dazu braun blau gekniffen und gestoßen, die Kinder aus den Betten bey den Haaren gezogen und Mutter und Kinder umzubringen gedrohet, dass Beklagter die verübte Frevelthat zu büßen, 3 Tage im Thor mit aufgestreckter Hand und ein Schild auf der Brust und zwar täglich 2 Stunden, sodann 30 Schläge täglich haben und sodann ausserdem 8 Tage auf Wasser und Brot sitzen und die Kosten des Verfahrens erlegen soll.“

Erstes Alarmsignal

1752 mußte ein Helgoländer 3 Tage im „Vogelbauer“ bei Wasser und Brot sitzen, weil er seinem Gegner einen zinnernen Topf auf den Kopf geschlagen hatte. 1754 wurden 4 junge Leute die „ein Dingstock ausgesandt“ und die Glocke geläutet hatten als „würckliche Stöhrer der öffentlichen Ruhe“ damit bestraft, dass sie für den verübten Frevel

„jeder 20 gute Drachten Sand und Steine täglich und zwar 6 Tage nach einander von dem Strand holen und damit den Weg bey der Fallm in guten Stand zu setzen. Hiernechst sollen sie überdem 10 Tage auf Wasser und Brodt im Vogelbauer sitzen und die Gerichtskosten erlegen“.

1775 erging ein Urteil,

„dass da Beklagter aller beschuldigten ehrenrührigen Reden überfüret, er zur verdienten Strafe acht Tage auf Wasser und Brod in der Wache sitzen, sich bey der Gelegenheit den Suff abgewöhnen und die Gerichtskosten tragen solle.“

Im Jahre 1800 hatte der Landvogt Zacharias Hasselmann festgehalten, wie viel Handwerker im letzten Jahrzehnt auf der Insel waren.

3 Schiffszimmerleute, je 1 Lehrling
7 Hauszimmerleute und Tischler mit je einem Gesellen
5 davon gleichzeitig Maurer, 2 daneben Glaser und Maler
1 Strohdecker
1 Schmied mit 2 Söhnen als Gesellen
1 Segelmacher mit einem Sohn
1 Reepschläger (Seilmacher) mit 2 Gesellen und 1 Jung
10 Schuster, aber kein Gerber dabei
2 Schneider und ein weiterer aus Tönning
1 Uhrmacher zeitweilig aus Ritzebüttel
6 Faßbinder als Nebenhandwerk
4 Bäcker, davon 2 auch Weißbrot backen, viel Brot kam von auswärts, Roggenbrot von Glückstadt und Tres (Cuxhaven)
2 Transieder (Tran aus Fischleber)

Daneben gab es

10 Krüger auf der Insel und viele kleine Kramläden, die meistens von Fischerwitwen betrieben wurden.

Die nächste bemerkenwerte Eintragung in der Chronik datiert aus dem Jahre 1802 und sagt:

„Elbe und Weser von den Engländern blockiert, sodass alle Schiffe nach Toenning gelotst werden mussten“.

Diese nüchterne und sachliche Meldung lässt nicht erkennen, welche Auswirkungen dies für die Helgoländer haben sollte. Es bedeutete nach den jahrzehntelangen Friedensjahren ein erstes Alarmsignal für alle, die zum Königreich Dänemark gehörten, also auch für Helgoland.

(Fortsetzung folgt)

(Gestaltung: Andreas Bubrowski)

  1. aus: Otto-Erwin Hornsmann, Geschichte und Geschichten der Insel Helgoland, Museum Helgoland, 2006, mit freundlicher Genehmigung des Autors

Artikel zur Serie

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  7. Düne wird von Insel getrennt (26.07.2014)
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  9. Abfall- und Hochzeitsverordnung (04.10.2014)
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  14. Helgoländer werden Dänen - wieder einmal (31.07.2015)
  15. 1714: Flagge mit den Farben grün-rot-weiß (21.08.2016)
  16. Beginn der dänischen Epoche Helgolands (13.09.2016)
  17. Helgoländer: Seefahrer, Fischer und Walfänger (12.11.2016)
  18. Neujahr 1721: Sturmflut zerstört Wall zwischen Düne und Insel (25.12.2016)
  19. Bruch eines Eheversprechens: Zweyhundert Mark (19.02.2017)
  20. Dänischen Epoche Helgolands: Gebräuche und Sitten (14.04.2017)
  21. Die letzten Jahrzehnte der dänischen Periode Helgolands (27.06.2017)
  22. Rechtsprechung auf Helgoland: drastische Urteilssprüche (28.12.2017)

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