Jacob Andresen Siemens (1794-1848)

Serie: Helgoländer Biografien

Jacob Andresen Siemens wurde am 29. Dezember 1794 als zweites Kind des Schiffers und Lotsen Rickmer Jacobs Siemens und seiner Frau Peerke Jacobs Franz geboren.

Helgoland im 19. Jahrhundert. Abb. Museum Helgoland

Eine spektakuläre Schiffsbergung brachte der Familie einigen Wohlstand, aber Vorwürfe gegen Siemens über diese Bergung verleidete ihnen weiteren Aufenthalt auf der Insel, und so zog das Ehepaar mit seinen beiden Kindern Maria und Jacob schon 1796 auf das Festland, ins damals dänische Tating auf Eiderstedt.

Seine Schaluppen und Schniggen
besaßen einen ausgezeichneten Ruf

Im Alter von neun Jahren bekam er Privatunterricht bei einem Lehrer in der Nähe von Tönning. Der Vater verstarb in Altona im Armenhaus kurz nach einem verlo­ren­en manipulierten Versicherungsprozess, bei dem er sein gesamtes Vermögen verlor, die Mutter zog danach mit ihren Kindern wieder nach Helgoland. Jacob A. erlernte beim Ratsmann Gottlob Bufe die kaufmännischen Grundbegriffe, aber nach Beendigung der Kontinentalsperre und dem damit verbundenen Niedergang der Geschäfte, verließ er 1815 die Insel und ging nach Altona in die Schiffszimmer­mannslehre.

Nach verkürzter Lehrzeit erteilte er Unterricht in seinem Fach, fuhr aber dann, wie damals üblich, als Matrose zur See. Die Liebe zu seiner Heimat trieb ihn wieder zurück zur Insel, die ihm aber das Bürgerrecht streitig machte, da die Familie 1796 nach Eiderstedt übergesiedelt war. Als tüchtiger Schiffszimmermann konnte er seinen Platz behaupten, denn seine Schaluppen und Schniggen zeichneten sich durch besondere Seetüchtigkeit aus und besaßen einen ausgezeichneten Ruf. Er bildete eine Reihe junger Helgoländer aus, darunter den Gründer der R. C. Rick­mers-Werft in Geestemünde.

Aber die katastrophale wirtschaftliche Lage seiner Heimatinsel ließ ihm keine Ruhe und er sann über Möglichkeiten für eine Verbesserung der Inselverhältnisse nach. Da Helgoland derzeit nur Ankerplätze auf Nord- und Südreede hatte, kam ihm schon sehr früh der Gedanke eines Hafens. Seit 1823 grübelte er auch über einen Plan zur Gründung eines Seebades. Die Helgoländer erschwerten ihm die Durchsetzung dieses Gedankens durch Passivität, Misstrauen oder Opposition, aber Siemens setzte seinen Plan eisern durch und am 19.Februar 1826 kam es zur Gründung des Seebades Helgoland, einer Aktiengesellschaft, nachdem Norderney, Wangerooge und Föhr schon vorangegangen waren.

Die Front der Gegner erhärtete sich, als das Seebad in den ersten Jahren keinen Gewinn abwarf und man sich verschuldete. Aber schon 1831 wurde eine kleine Dividende ausgezahlt und das Seebad expandierte. Nur Siemens profitierte nicht von diesem Aufschwung. Wegen beleidigender Äußerungen über Gouverneur und Ratsmitgliedern wurde er verhaftet und nur durch Kaution – bestehend aus seinen 3 3/4 Aktien – aus der Haft entlassen. Die Kaution sollte zurückgezahlt werden, wenn er freiwillig die Insel für immer verlassen würde. Siemens verzichtete auf den Besitz und blieb auf Helgoland.

Er wurde mehr und mehr zum „Grinner“ – einem Grübler

Sein unruhiger Geist beschäftigte ihn immer mehr mit dem Schicksal seiner Heimat und er wurde mehr und mehr zum „Grinner“ – einem Grübler. Nach und nach entstandenen Schriften über seine Gedanken, die auch gedruckt wurden.

  • 1835 Die Insel vor ihrem bevorstehenden Untergang
  • 1839 Fragmente über den Eid, auf Tatsachen begründet
  • 1841 Das Reich des HERRN
  • 1843 Der Nordseebesen
  • 1843 Deutschlands Seegeltung
  • 1844 Deutschlands Handelsschiffahrt
  • 1848 Die Deutsche Kriegsmarine
  • 1848 Helgoländer Mysterien

Das Interesse J.A. Siemens galt aber auch der Vorgeschichte seiner Heimatinsel. Er betätigte sich wissenschaftlich mit der Erforschung von Grabhügeln auf dem Oberland. So gelang es ihm 1845 auf dem „Moderberg“ ein älteres Steingrab aus der Bronzezeit freizulegen und die Beigaben, zwei goldene Spiralscheiben und eine bronzene Streitaxt zu bergen. Darüber schrieb er 1845 einen Ausgrabungsbericht. 1844 wurde J. A. Siemens zum Ratsmann und Gemeindeschreiber gewählt, nach­dem er als Unterhändler in London für bessere Bedingungen in der Zollabfertigung bei Stade erfolgreich war. Seine Berufung war nur von kurzer Dauer.

Sein herrisches und eigenwilliges Wesen machte es den anderen Ratsleuten un­mög­lich, mit ihm auszukommen und so wurde er am 11. März 1846 seines Amtes enthoben. Er appellierte bei der Regierung in London gegen diese Entscheidung ohne Erfolg. Mit der Rechtfertigungsschrift „Helgoländer Mysterien“ wandte er sich an die Öffentlichkeit, indem er gegen den Helgoländer Rat schwere Vorwürfe er­hob. Er reiste selbst nach London, um für sein vermeintliches Recht zu streiten. Es wurde ihm verwehrt. Am 19. September 1848 starb er dort, in Armut, Verlassen­heit und unbeweint an der Cholera im Deutschen Hospital. Seine Grab­stätte befindet sich auf dem Hackney Churchyard in London. ERICH-NUMMEL KRÜSS

(Gestaltung: abu)

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