Helgoländer: Seefahrer, Fischer und Walfänger

Serie „Geschichte und Geschichten der Insel Helgoland“ von OTTO-ERWIN HORNSMANN1

Zurück an Bord! Grafik: Förderverein Musum Helgoland

Zurück an Bord! Grafik: Förderverein Museum Helgoland

In der 1945 zerstörten Kirche hing noch ein Schiffsmodell mit der Inschrift:

„Zum Andenken Anno 1817 von Nicolaus Peter Krohn, gebohren auf Helgoland im Jahre 1771, Ostindischer und Westindischer Schiffs-Captain unter Dänischer und Hamburger Flagge und Rickmer Peter Krohn, gebohren auf Helgoland 1. März 1762 Schiffs-Captain auf Portugal und Spanien unter Hamburger Flagge2.“

Kämpfe mit Blankeneser Fischern

Die Schifffahrt brachte auch hohe Einnahmen durch die Gestellung von Lotsen für das schwierige Fahrwasser. Die Helgoländer betrachteten die weitere Umgebung ihrer Insel als ihr Revier und nahmen daher für sich allein das Recht in Anspruch, hier zu fischen, seeuntüchtige Schiffe zu bergen und Schiffe mit Lotsen zu besetzen. Eingriffen in ihr Revier begegneten sie mit allem Nachdruck, auch mit körperlicher Gewalt. Besonders hartnäckige Kämpfe gab es mit den Blankeneser Fischern, bis eine königliche Verordnung des Jahre 1787 den Helgoländern ihre Ansprüche in dem von ihnen beanspruchten Revier (beim Lotsen) sanktionierte und ihnen damit ein Monopol einräumte. Es gab am Ende des 18. Jahrhunderts 300 geprüfte Lotsen auf der Insel. Obwohl die Anforderung von Lotsen zu dieser Zeit schon erheblich abgenommen hatte, betrugen im Jahre 1800 die Einnahmen bei etwa 400 Einsätzen 60´000 Mark.

Eine weitere Einnahmequelle war der zu dieser Zeit florierende Walfang. Genau wie die anderen nordfriesischen Inseln stellte auch Helgoland ein großes Kontingent an Walfängern zu den niederländischen und deutschen Walfangflotten. Die Chronik berichtet mehrmals, dass „die Grönlandfahrer die Insel passierten, unter ihnen Commandeur Hinrich Brand von hier“. Zwei weitere Helgoländer werden dort erwähnt, Erik Rickmers und Peter Barths die auch als Commandeure auf Walfang fuhren. Der Badearzt Dr. Lindemann erzählt noch 1890 in seinem Buch „Die Nordseeinsel Helgoland“ bei einem Spaziergang auf dem Oberland:

„zwischen den Feldern entdecken wir einzelne Markzeichen, Walfischknochen, welche die alten Helgoländer von ihren Nordpolfahrten heimgebracht haben“.

Der Fischfang wurde auch erheblich ausgedehnt, insbesondere wurde im Frühjahr und Sommer Schellfisch in großen Mengen mit Langleinen geangelt. Aus dem Jahre 1790 wird von 350 Fischern berichtet, die zwei Millionen Schellfische im Wert von 220´000 Mark an Land brachten3. Die Austernfischerei wurde dagegen nicht mehr betrieben. Die Austernbank wurde erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts wieder entdeckt und ausgebeutet. Aber der Hummerfang ging weiter, jährlich 40´000 bis 50´000 Stück. Im Jahre 1714 erhielt ein Londoner Händler 35.000 Hummer. Es wurde hart gearbeitet, und es stellte sich ein gewisser Wohlstand ein, man konnte sich schon mal etwas kaufen oder anfertigen lassen, denn es wurde Geld verdient. Das zog nicht nur Seeleute und Fischer, sondern auch viele Handwerker zur Insel. Die Zahl der Einwohner stieg von den 1´000 Seelen um 1700 auf etwa 2´000 im Jahre 1751 an!

Aus den Kirchenbüchern geht hervor, dass in dieser Zeit Einwanderer aus Husum, Tating, St.Peter, Wevelsfleth und Büsum, aber auch aus Ottensen, Glückstadt und Soltau sowie Holland und Ostfriesland kamen. Es waren darunter Schuster, Bäcker, Grobschmiede, Kleinschmiede, Reepschläger (Seilmacher) und andere Handwerker. Wahrscheinlich auch Schiffbauer, denn es ist bekannt, dass 1715 bereits große Schaluppen gebaut wurden und man weiß, dass das Eichenholz hierfür aus dem Rheinland bezogen wurde, weil es für den Schiffbau besser geeignet war als das holsteinische. Durch Heirat mit Helgoländerinnen wurden diese Fremden hier sesshaft. Auch mindestens 10 Soldaten der dänischen Besatzung gründeten auf der Insel Familien. Es blieb auch hier der Herr Garnisons-Chirurgus Johann Hinrich Beuling, der 1683 einen Sohn bekam, jedoch (1720-1742) die stattliche Anzahl von acht Enkelkindern hatte. Ebenfalls Hinrich Michelsen gefiel es auf der Insel, er heiratete 1714 Antje Clausen, hatte vier Kinder (1715-1725) und von den zwei Söhnen dann 14 Enkelkinder.

Aber auch die alteingesessenen Helgoländer hatten in dieser Zeit den Mut zu mehr Kindern. So hatte Aike Payens (etwa 1645), der Stammvater der Familien Holtmann und Aeukens nur drei Kinder, die beiden Söhne (1698-1713) aber bereits 14 Kinder und die Enkelsöhne 23 Kinder (1718-1748). Auch Jacob Broders (etwa 1644) Ahnherr der Familie Hornsmann bekam von seinen zwei Söhnen (1681-1698) 12 Enkel (1697-1728) und von den fünf Enkelsöhnen 34 Urenkel (1726-1768). Familien mit zehn und mehr Kindern waren keine Seltenheit. Und langsam ging´s bergauf! (Fortsetzung folgt)

(Gestaltung: Andreas Bubrowski)

  1. aus: Otto-Erwin Hornsmann, Geschichte und Geschichten der Insel Helgoland, Museum Helgoland, 2006, mit freundlicher Genehmigung des Autors
  2. s. Nicolaus Peter Krohns Lebensbeschreibung von 1817 in „Fischer-Schiffer-Lotsen“, Erich-Nummel Krüss, S. 58 – 62
  3. Vergleiche Fischer-Schiffer-Lotsen, Seite 10 bis 16

Artikel zur Serie

  1. Helgoland in grauer Vorzeit – so könnte es gewesen sein (30.05.2013)
  2. Helgolands Vorgeschichte bleibt im Dunklen (30.06.2013)
  3. Heringsmengen ändern alles (31.08.2013)
  4. Eigene Wiesen und Weiden in Utholm (08.12.2013)
  5. Zahl der Bewohner steigt an (12.04.2014)
  6. Raue Zeiten und raue Sitten (08.06.2014)
  7. Düne wird von Insel getrennt (26.07.2014)
  8. Kampf um Privilegien (30.08.2014)
  9. Abfall- und Hochzeitsverordnung (04.10.2014)
  10. Reglementierung der Landwirtschaft - damals schon (23.12.2014)
  11. Aus der Zeit um 1700: Nachricht von der Insul Helgeland (01.02.2015)
  12. Lockerer Lebenswandel der Helgoländerinnen? (16.05.2015)
  13. Armut, Krankheit, Unglück, Tod (30.06.2015)
  14. Helgoländer werden Dänen - wieder einmal (31.07.2015)
  15. 1714: Flagge mit den Farben grün-rot-weiß (21.08.2016)
  16. Beginn der dänischen Epoche Helgolands (13.09.2016)
  17. Helgoländer: Seefahrer, Fischer und Walfänger (12.11.2016)
  18. Neujahr 1721: Sturmflut zerstört Wall zwischen Düne und Insel (25.12.2016)
  19. Bruch eines Eheversprechens: Zweyhundert Mark (19.02.2017)
  20. Dänischen Epoche Helgolands: Gebräuche und Sitten (14.04.2017)

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