Düne wird von Insel getrennt

Serie „Geschichte und Geschichten der Insel Helgoland“ von OTTO-ERWIN HORNSMANN1

Helgoland, 1649.Abb.: Museum Helgoland

Helgoland, 1649.
Abb.: Museum Helgoland

Über das Leben und Treiben der Helgoländer in der zweiten Hälfte des 17. Jahrunderts besitzen wir eine Reihe weiterer Berichte von Zeitgenossen. Es gibt eine Fülle von Urkunden und Berichten, die uns ein gutes Bild vom damaligen Zeitgeschehen geben. Unsere Insel sah damals ja noch etwas anders aus als heute. Die Karte aus dem Jahre 1649 zeigt uns das mit Wohnhäusern und einer Kirche bestandene Oberland. Der nicht bebaute Teil wurde zum großen Teil als Weide genutzt für viele Schafe und einige Kühe, von denen am Anfang des 18. Jahrhunderts immerhin 50 Stück gezählt wurden. Das Vieh musste angepflockt werden, damit es nicht aus der Klippe fiel. Hier gab es dann auch viele Schreber­gärten, in denen Kartoffeln und Gemüse sowie vor allem Gerste angebaut wurde. Man weiß, dass 1764 nicht weniger als 300 Tonnen Gerste geerntet wurden.

Neujahrsnacht 1720/21:
die Düne wird von der Insel getrennt

Eine hölzerne Treppe mit zwei Abgängen zum Nordhafen und zum Südhafen führte nach unten. Das kleine Unterland ging über in einen flachen Wall aus Sand und Geröll de Woal zu der Düne, auf der sich einmal hohe, weiße Kreidefelsen – fast so hoch wie die Hauptinsel – erhoben. Auch im Bereich der Wittenklyppe war früher eine Viehweide und es gab hier gutes Frischwasser. Die Kreidefelsen wurden seit Jahrhunderten abgebaut, bis am 1. November 1711 das letzte Überbleibsel

„so bey 12 Jahren hier noch alß ein Heuschober gestanden durch eine hohe Fluth vollends umbgeworffen und absorbieret worden“.

In der Neujahrsnacht 1720/21 wurde die Düne dann von der Insel getrennt, als eine hohe Sturmflut den Wall überschwemmte und durchbrach.

Auf dem Unterland waren hauptsächlich nur die Buden der Fischer und Bootsbauer, aber es gab dort mindestens eine Kneipe, den beliebten „Herrenkrug“, später „Schenke unten am Lande“ genannt. Dieses Unternehmen gehörte ursprünglich dem Landesherrn, es wurde an einen Krüger verpachtet, und die Krugheuer war ein Teil der Besoldung des Landvogtes. Wir haben gehört, dass 1615 sogar die Frau des Vogtes das Geschäft selbst betrieb. Erst im Jahre 1702 wurde die Schenke von dem Herzog an den Ratmann Hans Broders verkauft, der für das baufällige Gebäude 150 M lübsch und einen jährlichen Erbzins von acht Reichstalern zahlen musste. An dem oberen Ende der Treppe befand sich ein Tor mit einer Pforte und das Wachthaus.

Helgoland, Westklippe. Abb. Museum Helgoland

Helgoland, Westklippe. Abb. Museum Helgoland

Der langsam ansteigende Wohlstand der Helgoländer brachte natürlich auch den Schleswiger Herzögen größere Steuereinnahmen, und die Insel wurde wieder einmal interessant. Der dänische König Christian V. behauptete schlicht und einfach im Jahre 1684, die Schleswiger Herzöge hätten nun seit 1544 die Einkünfte der Insel zu Unrecht allein bezogen, und jetzt habe er für den gleichen Zeitraum diesen Anspruch. Er schickte ein dänisches Geschwader von vuer Schiffen unter Admiral Paulsen und forderte durch den Oberst Richelieu die Übergabe der Insel. Die Dänen stellten für die kampflose Übergabe die Erhaltung der alten Privilegien in Aussicht und drohten, im Falle des Widerstandes, die Helgoländer als Rebellen zu behandeln und alle auf See befindlichen Männer bei der Rückkehr zur Insel gefangen zu nehmen sowie die Schiffe zu zerstören.

Der Landvogt Froboes und sein Commandant von Buchwald wollten mit ihrer Streitmacht von 12 Soldaten und der Helgoländer Landwehr kämpfen, die Eingesessenen aber waren nicht dafür. Um all dem zu erwartenden Unheil vorzubeugen, hat man einfach die Offiziere gefangen genommen. Böse Zungen behaupten sogar, die Frauen hätten die Soldaten entwaffnet und die Offiziere eingesperrt. (wird fortgesetzt)

(Gestaltung: Andreas Bubrowski)

  1. aus: Otto-Erwin Hornsmann, Geschichte und Geschichten der Insel Helgoland, Museum Helgoland, 2006, mit freundlicher Genehmigung des Autors

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