Bruch eines Eheversprechens: Zweyhundert Mark

Serie „Geschichte und Geschichten der Insel Helgoland“ von OTTO-ERWIN HORNSMANN1

The Gouvernmenthouse – entgegen stürmischer Zeiten auf dem Festland herrschte auf Helgoland trotz wechslender politischer Hoheiten vor allem Dialog und Zusammenarbeit.
Grafik: Förderverein Museum Helgoland

Die Chronik berichtet dann im Jahre 1719 von der einzigen Hinrichtung, die jemals auf Helgoland stattgefunden hat:

„den 9. Oktober wurde Peter Broders Tochter Marike wegen begangener Mordthat an Jasper Gorries Ehefrau Emke, indem sie dieselbe mit einer 3-zackigen Forck in die Gurgel gestochen, wovon die Frau gleich todt geblieben, von dem Scharffrichter Gottfried Hennings aus Glückstadt oben auffn Hengstgarß gantz nahe beym Kirch Stegel enthauptet. Sie wurde sofort von ihren Freunden in den bereiteten Sarg gelegt und auffn Kirchhof begraben.“

Rechtssprechung im 18. Jahrhundert

Ein interessantes Gerichtsurteil wegen Bruch eines Eheversprechens liegt uns vom 5. April 1723 vor. Da hatte eine Witwe – vertreten wie damals vorgeschrieben, durch einen Vormund – geklagt, dass Peter Münderich ihr die Ehe versprochen, auch ihren Vater um Consens gebeten habe, nun aber zu einer anderen Ehe schreiten wolle. Das Gericht entschied:

„Weilen Klägerin mit einem Eyd bekräfftigt, dass Beklagter dieselbe umb die Ehe angesprochen, und zwar mit einem so theuren Eyd, nemlich diesen Worten: „Mamke, wo ich Dich verlassen will, so wolle Gott meiner Seele nimmer gnädig seyn und will Gottes Angesicht nicht schauen. Zweitens da die Klägerin Beklagten erinnerte, dass sie zu nahe ins Geblüte, hat er zur Antwort gegeben, wenn er nicht wüsste, die Freyheit oder Dispensation zu erhalten, so wäre er nicht zu ihr gekommen; Drittens gesprochen: Wir sind vor Gott eben so gut alß Eheleute, Menschen sollten uns nicht trennen, sondern nur Gott durch den Todt. Alß wird Beklagter condemniret, an Kägerin vor die abstehende Ehe Schaden und Versäumnis zweyhundert Mark Lübsch zu bezahlen ingleichen die Gerichtskosten zu entrichten.“

Am 23. März 1716 musste eine Verordnung zum Schutze des Kirchhofs erlassen werden:

„Man erkennt für billig und Recht, dass auff den hiesigen Kirchhof keiner der hiesigen Einwohner wie biß hero geschehen, Schaafe auch ander Vieh zur Weide stellen und hereinbringen solle; auch wird in gleicher Maß verbothen, dort Schnepfen-Stangen zu setzen oder aus dem Kirchturm Fische zu trocknen auszuhängen oder auch Leinen zum Bleichen außzulegen“.

Bildungswesen im 18. Jahrhundert

Anno 1733 erfolgte der „Erlaß des Helgoländer Kirchen- und Schulreglements“, der die Predigerwahl–Gerechtigkeit bestätigte; ferner „in Ansehung, weil die Insul Helgoland 8 Meilen vom festen Lande ab und in der See gelegen“, sollen von jetzt ab 2 Prediger auf der Insel sein, die, einander gleichberechtigt, sich in die Arbeit teilen. Niemals dürfen beide Pastoren gleichzeitig abwesend sein. Für die Kinder von 6 bis 14 Jahren wird der Schulzwang eingeführt, aber es muß Schulgeld bezahlt werden. Die Mehrzahl der Kinder lernte – nicht nur auf Helgoland – nur Lesen; wer lesen konnte, wurde in die zweite Klasse versetzt, in der es bis zu seinem Abgang von der Schule blieb. 1734 nahmen von 124 Kindern 36 auch am Schreibunterricht und nur 3 Kinder dazu am Rechenunterricht teil. 1809 waren es von 200 Kindern bereits 30, die auch schreiben und sogar 20, die ausserdem rechnen lernten. Das Grundschulgeld betrug jährlich einen Reichstaler, der Schreibunterricht kostete einen weiteren Taler, ebenso der Unterricht im Rechnen. Das Schulgeld für arme Kinder wurde durch monatliche Sammlungen aufgebracht. (Fortsetzung folgt)

(Gestaltung: Andreas Bubrowski)

  1. aus: Otto-Erwin Hornsmann, Geschichte und Geschichten der Insel Helgoland, Museum Helgoland, 2006, mit freundlicher Genehmigung des Autors

Artikel zur Serie

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  7. Düne wird von Insel getrennt (26.07.2014)
  8. Kampf um Privilegien (30.08.2014)
  9. Abfall- und Hochzeitsverordnung (04.10.2014)
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  13. Armut, Krankheit, Unglück, Tod (30.06.2015)
  14. Helgoländer werden Dänen - wieder einmal (31.07.2015)
  15. 1714: Flagge mit den Farben grün-rot-weiß (21.08.2016)
  16. Beginn der dänischen Epoche Helgolands (13.09.2016)
  17. Helgoländer: Seefahrer, Fischer und Walfänger (12.11.2016)
  18. Neujahr 1721: Sturmflut zerstört Wall zwischen Düne und Insel (25.12.2016)
  19. Bruch eines Eheversprechens: Zweyhundert Mark (19.02.2017)
  20. Dänischen Epoche Helgolands: Gebräuche und Sitten (14.04.2017)