Beginn der dänischen Epoche Helgolands

Serie „Geschichte und Geschichten der Insel Helgoland“ von OTTO-ERWIN HORNSMANN1

Treppe zum Oberland. Abbildung: Förderverein Musum Helgoland

Treppe zum Oberland. Abbildung: Förderverein Musum Helgoland

Helgoland unterstand nun von 1714 bis 1807 der Herrschaft des Königs von Dänemark in seiner Eigenschaft als Herzog von Schleswig. Die königliche Verwaltung war jedoch nicht wesentlich anders organisiert als die herzogliche, und es war für die Helgoländer kaum mehr als ein Personalwechsel, da sie eine romantische Vorstellung von ihrem grundsätzlichen Anspruch auf Unabhängigkeit hatten.

Verfassung mit Stolz verteidigt

Es blieb alles beim Alten. Das „Gericht“, nicht nur Organ der Rechtspflege, sondern auch der Selbstverwaltung, war mit sechs auf Lebenszeit gewählten, eingesessenen Ratmännern besetzt. Der Landvogt, ein erfahrener Verwaltungsbeamter, führte zwar den Vorsitz, hatte aber auch nur einfaches Stimmrecht. Die praktische Executive oblag den acht Quartiersleuten, je zwei aus den vier Quartieren. Zur Beschlußfassung über Fragen, die von grundsätzlicher Bedeutung für die ganze Landschaft waren, wie zur Bewilligung größerer Ausgaben, versammelte sich entweder die ganze Gemeinde oder seit etwa 1720 die sog. „Landesvorsteherschaft“, die sich aus den Kollegien der Ratmänner und Quartiersleute und aus weiteren 16 Bürgern, den Landesältesten, zusammensetzte.

Für so ein kleines Gemeinwesen wie Helgoland mag dieser Verwaltungsapparat mit den verschiedenen Kontrollorganen recht verwickelt erscheinen, aber er entsprach den besonderen psychologischen Verhältnissen auf der Insel, und die Helgoländer hielten sich mit ihrem ganzen konservativen Sinn an dieser Verfassung fest und verteidigten sie mit nachdrücklichem Stolz, als gegen Ende dieser Periode eine Änderung angeregt wurde. Auf den Vorschlag einer königlichen Untersuchungs-Kommission im Jahre 1794 auf Reformierung der Landesverfassung erklärten Ratmänner und Quartiersleute in einer umfangreichen Gegendarstellung, die Kommission möge alle möglichen guten Eigenschaften haben, aber mit den verwickelten Gewohnheiten und Gesetzen der Insel sei sie nicht genügend vertraut.

„Wir leben auf unserer einsamen Klippe und gleichsam abgesondert von dem übrigen Königsgebiet.

Wir und unseres Landes Brod, Gewinn, Sitten, Regeln und Gewohnheiten sind dem festen Lande wildfremd, und die französische Verfassung ist wahrscheinlich der Regierung besser bekannt, als die unsrige. Unsere Verfassung ist fundiert in Arbeit und Arbeitsamkeit aller Einwohner und passt auf keinen Leisten des festen Landes.“

Wenn auch die Organisation bei der Verwaltung blieb, so veränderte sich doch die Gemeinde Helgoland in dieser dänischen Zeit grundlegend. Aus einer primitiven Fischeransiedlung wurde ein kleines Städtchen. Von dem wachsenden Wohlstand all der unter dänischer Regierung lebenden Länder in dieser Blütezeit des „Dänischen Gesamtstaates“ fiel auch etwas für die Helgoländer ab:

Schiffe belebten in immer steigender Anzahl die Häfen und befruchteten Handel und Handwerk. Dänemark betrieb eine kluge Neutralitätspolitik und erreichte, gestützt auf seine bedeutende Kriegsflotte die „Ruhe des Nordens“, einen Frieden auch in der Zeit, als das übrige Europa in Kriege zu Wasser und zu Lande verwickelt war. Das neutrale Dänemark setzte auch die Anerkennung des Grundsatzes durch, dass „die neutrale Flagge die Ladung deckt“, so wurde der dänischen Schifffahrt der ungestörte Handel mit Übersee, insbesondere mit den drei dänischen Kolonien in Westindien, ermöglicht. Durch die zunehmende Handelsschifffahrt hatten immer mehr Helgoländer ihren Verdienst, indem sie als Kapitäne, Steuerleute oder Besatzung in alle Welt fuhren. (Fortsetzung folgt)

  1. aus: Otto-Erwin Hornsmann, Geschichte und Geschichten der Insel Helgoland, Museum Helgoland, 2006, mit freundlicher Genehmigung des Autors

Artikel zur Serie

  1. Helgoland in grauer Vorzeit – so könnte es gewesen sein (30.05.2013)
  2. Helgolands Vorgeschichte bleibt im Dunklen (30.06.2013)
  3. Heringsmengen ändern alles (31.08.2013)
  4. Eigene Wiesen und Weiden in Utholm (08.12.2013)
  5. Zahl der Bewohner steigt an (12.04.2014)
  6. Raue Zeiten und raue Sitten (08.06.2014)
  7. Düne wird von Insel getrennt (26.07.2014)
  8. Kampf um Privilegien (30.08.2014)
  9. Abfall- und Hochzeitsverordnung (04.10.2014)
  10. Reglementierung der Landwirtschaft - damals schon (23.12.2014)
  11. Aus der Zeit um 1700: Nachricht von der Insul Helgeland (01.02.2015)
  12. Lockerer Lebenswandel der Helgoländerinnen? (16.05.2015)
  13. Armut, Krankheit, Unglück, Tod (30.06.2015)
  14. Helgoländer werden Dänen - wieder einmal (31.07.2015)
  15. 1714: Flagge mit den Farben grün-rot-weiß (21.08.2016)
  16. Beginn der dänischen Epoche Helgolands (13.09.2016)
  17. Helgoländer: Seefahrer, Fischer und Walfänger (12.11.2016)
  18. Neujahr 1721: Sturmflut zerstört Wall zwischen Düne und Insel (25.12.2016)
  19. Bruch eines Eheversprechens: Zweyhundert Mark (19.02.2017)
  20. Dänischen Epoche Helgolands: Gebräuche und Sitten (14.04.2017)

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