Rickmer Clasen Rickmers

Rickmer Clasen Rickmers.

Serie: Helgoländer Biografien

Geboren am 6. Januar 1806 auf Helgoland. Als Sohn des Fischers und Lotsen Peter Andreas Rickmers und Mutter Deike, geb. Hornsmann, ging er mit 16 Jahren in die Zimmermannslehre bei Jacob Andresen Siemens, der im Jahre 1826 das Seebad gründete. Nach Beendigung seiner Lehrzeit, mit 20 Jahren, fuhr er als Schiffszimmermann zwei Jahre lang auf „Große Fahrt“. Zurück auf der Insel, verlobte er sich mit seiner späteren Frau Margaretha (Etha) Reimers. Es folgte eine weitere zweijährige Fahrenszeit, in der er sich eine ausreichende Geldsumme ersparen konnte, um heiraten zu können.

Da der Brautvater die Einwilligung zur Heirat nicht geben wollte, weigerte sich auch der Helgoländer Pastor, die Trauung zu vollziehen. Daraufhin segelte R. C. Rickmers kurzerhand mit seiner Braut Etha in einer Schaluppe nach Esens in Ostfriesland und ließ sich dort am 14. August 1831 trauen. Wieder zurück auf Helgoland, half er seinem Vater beim Fischfang, legte das Helgoländer Lotsenexamen ab und betätigte sich wieder im Bootsbau. Er baute zwei Jollen auf eigene Rechnung, die auf der Insel jedoch keine Käufer fanden.

In Geestemünde/Bremerhaven dagegen gab es sofort Interessenten und so reifte in ihm der Entschluss, dort Arbeit zu suchen und auch zu wohnen. Am 3. Juni 1832 zog das Ehepaar Rickmers von Helgoland nach Geestemünde. Beim Zimmerbaas Cornelius fand er Beschäftigung und konnte dort auch außerhalb seiner Arbeitszeit kleine Schiffe auf eigene Rechnung bauen. Nebenbei leistete er Lotsendienste von der Weser zur Elbe und beteiligte sich mehrfach an schwierigen Bergungsarbeiten wie etwa an dem Auswandererschiff „ Shenandoah“, wofür er besondere Anerkennung und eine Belohnung vom bremischen Staat erhielt. Am 15. Juni 1834 beschloss Rickmer Clasen Rickmers, eine eigene Werft zu betreiben und er gründete die Rickmers-Werft in Geestemünde/Bremerhaven.

Derzeit war der Hansestadt Bremen von Hannover ein Landstrich an der Weser abgetreten worden, es sollte dort ein Bremer Hafen angelegt werden. So konnte ein günstiger Werftplatz direkt am Ufer der Geeste gesichert werden. 1836 lief das erste Schiff vom Stapel, 1843 wurde unter der Baunummer neun schon das 520 BRT große Vollschiff „Bremen“ abgeliefert. Die Werft vergrößerte sich schnell, man beschäftigte 1847 schon 100 Mitarbeiter. Schiffsbeteiligungen wie an dem erwähnten Vollschiff „Bremen“ ließen schon damals Ansätze zur Gründung einer eigenen Reederei erkennen. 1848 wehte auf der „Bassermann“ zum ersten Male die Reedereiflagge, das Helgoländer Grün – rot – weiss mit einem großen weißen „R“ darin. Die Rickmers-Schiffe hatten in der Welt einen ausgezeichneten Ruf, sie fuhren in der Weizenfahrt vom australischen Spencer-Gulf wie auch in den Teefahrten von China.

Von 1865 bis 1898 baute Rickmers nur noch Schiffe für seine eigene Reederei, die unter seiner Flagge hauptsächlich im Ostasien-Dienst eingesetzt wurden. Die durch den gewonnenen Deutsch-Französichen Krieg 1870/71 entstandene Hochkonjunktur bescherte der Reederei hohe Gewinne und sorgte für eine gute Beschäftigung im Werftbetrieb. Jetzt baute man meist Barken und Vollschiffe zwischen 1000 und 1500 BRT. Reis als Rückfracht von Ostasien gewann immer größere Bedeutung für die Reederei und um den Absatz in Europa sicherzustellen, beteiligte sich R.C. Rickmers an der Bremer Reismühle Ichon & Co. 1874/75 wurde dieser Betrieb der größte in Europa und am 31. Mai 1878 ging er zu 100 Prozent in die Firma Rickmers über.

1885 erweitere man die Reismühle, sie expandierte dadurch zum größten Unternehmen seiner Art in der Welt. Das selbst Erschaffene stand jetzt auf drei soliden Füßen: Werft, Reederei und Reismühle. Als im Jahre 1879 der alte Kirchturm auf Helgoland wegen Baufälligkeit abgerissen werden musste, entschloss sich Rickmer Clasen Rickmers, die Helgoländer Kirche einen neuen Kirchturm zu schenken, sicherlich aus Liebe zu seiner Heimatinsel, vielleicht auch aus Dankbarkeit für ein erfülltes Leben. Der Inhalt eines Messingbehälters – im Turm eingemauert – legt heute noch Zeugnis ab vom Wirken R.C.Rickmers aus dieser Zeit.

1885 übergab sein Sohn, Peter Rickmers, der Helgoländer St.-Nicolai-Kirche in einer Feierstunde den neuen Kirchturm. Er wurde Opfer der letzten Kriegstage 1945, wie alle Gebäude auf der Insel, die Gedenktafel für den Spender ist aber vom vernichtenden Bombenhagel verschont geblieben und wurde im neuen Kirchturm eingelassen. Der preußische Kommerzienrat Rickmer Clasen Rickmers lebte getreu seinem Konfirmationsspruch, der auch in seinem Leben sein Wahlspruch wurde:

Fürchte Gott, tue Recht und scheue Niemand

Er starb hochgeehrt am 27. November 1886 in Bremerhaven im Alter von 79 Jahren und hinterließ seinen sechs Kindern ein kleines Imperium. (ENK)

Print This Post

Artikel zur Serie

  1. Andres Peter Krüß (06.04.2010)
  2. Paul Johann Denker (09.04.2010)
  3. Rickmer Clasen Rickmers (22.04.2010)
  4. Harlich Erich Nickels (17.07.2010)
  5. Franz Angelo Schensky (10.10.2010)
  6. Lord William Howard Russell (28.11.2010)
  7. Heinrich Carl Ludwig Gätke (03.04.2011)
  8. Rickmer Jasper Bock (07.07.2011)
  9. Jasper Emil Nickels (19.07.2011)
  10. Peter Andresen Oelrichs (1781-1869) (21.10.2011)
  11. Claus Jacob Reimers (1783-1854) (29.01.2012)
  12. Tönnies Daniel Denker (1867-1929) (29.04.2012)
  13. Jacob Andresen Siemens (1794-1848) (22.06.2012)
  14. Nikolaus Peter Krohn (1771 - 1820) (23.09.2012)
  15. James Jacob Hinrich Krüss (1926 - 1997) (27.10.2012)
  16. Erich Paul Jansen Friedrichs (1890 - hingerichtet 1945) (09.12.2012)

3 Gedanken zu „Rickmer Clasen Rickmers

  1. Sehr geehrter Herr Ordemann,

    in meiner Helgoländer Datei befindet sich ein Peter Friedrich Rickmers, * 20.04.1883 auf Helgoland, der in das Zeitfenster passen könnte.
    Ich besitze aber keine Informationen über eine mögliche Ehefrau noch über Nachkommen. Ein fehlendes Sterbedatum verstärkt die Vermutung, dass wir es mit derselben Person zu tun haben. Vorfahren aber kann ich bis ins 17. Jahrhundert zurück verfolgen. Nur – es ist nicht der Zweig der R.C.Rickmers-Linie.

    Der Nachname Rickmers ist ein Patronymikon, d.h. den Kindern eines Vaters mit dem Vornamen Rickmer wurde dieser mit einem „s“ versehen als Nachname erteilt. In der damaligen Zeit wurde das häufig so praktiziert. Deswegen erscheint der Name Rickmers häufig auf unserer Insel, und nicht alle sind miteinander in einem verwandschaftlichen Verhältnis. Wenn Sie Interesse an den Vorfahren des P.F.Rickmers besitzen, erwarte ich gern Ihre Antwort mit Ihren Verbindungsdaten zu ihm.

    Mit freundlichen Grüßen
    Erich-Nummel Krüss
    Helgoland-Genealogie

  2. Sehr geehrte Damen und Herren,

    in entfernter Verwandtschaft von mir finden sich einige Personen mit dem Namen Rickmers, von denen ich allerdings nur sehr magere Informationen habe. „Rickmers“ ist, glaube ich, nicht ein allzu häufiger Name, so dass ich vermute und hoffe, dass „meine“ Rickmers auch mit den Helgoländern verwandt sind. Ich würde mich freuen, wenn ich auf diesem Wege ein paar zusätzliche Informationen erhalten könnte. Im einzelnen handelt es sich um folgende Personen, deren Details ich so wiedergebe, wie sie in meinen mageren Quellen vorhanden sind:

    Peter Friedrich Rickmers, Fabrikdirektor der Firma Simons und Hoffmann in Neuss, heiratete am 03.04.1909 in Höxter Editha Styx, geboren 16.11.1883 in Berlin. Folgende Kinder sind mir bekannt; sie sollen entweder gefallen oder verschollen sein: Bartlee Rickmers und Rick Rickmers.

    Der Name ist mir außerdem in Erinnerung aus einem großen Stammbaum in einem Bremerhavener Museum, ich glaube dem Schifffahrtsmuseum, und der in Hamburg liegenden wunderschönen „Rickmer Rickmers“.

    Ich würde mich freuen, wenn Sie mir etwas weiter helfen könnten und danke Ihnen für Ihre Unterstützung.

    Mit freundlichen Grüßen
    Nikolaus Ordemann

  3. Guten Tag,
    ich suche die Daten des Kaufmanns Gerhard, Andreas Werner, der ca.1918/20 meine Grossmutter Katharina Schor geheiratet hat, dann aber wieder 1922 geschieden wurde. Seine Mutter hiess Madeleine, er war bei den Uhlahnen; im 2. Weltkrieg ging er nach Russland wegen seiner ausgezeichneten Russischkenntnisse, war dann vermisst. Laut meiner Mutter gehörte er zu der Familie Rickmers. Gleichzeitig würde meine Mutter gerne wissen, ob man weiss, was aus ihm geworden ist.
    Vielen Dank für Ihre Hilfe
    Mit freundlichen Grüssen
    Sylvia Winterfeldt

Schreibe einen Kommentar