Erich Paul Jansen Friedrichs (1890 – hingerichtet 1945)

Serie: Helgoländer Biografien, herausgegeben von Erich-Nummel Krüss

Erich Paul Jansen Friedrichs.
Foto: Museum Helgoland

Erich Friedrichs war ein leidenschaftlicher, intel­ligenter Mann; ein Mann, der seine Heimat Helgoland über alles liebte und im Laufe seines Lebens viel für sie riskierte. Am Ende be­zahlte er dafür mit seinem Leben. Friedrichs wurde am 2. November 1890 auf Helgoland geboren. Seine Mutter war Fanny Elise Krüß, sein Vater Peter Paul Fried­richs. Drei Monate vor seiner Geburt war die Insel wieder in deutschen Besitz übergegangen, nachdem sie 83 Jahre lang unter britischer Herrschaft gestanden hatte. Viele Helgoländer sprachen daher gutes Englisch, auch Erich Friedrichs. Diese Kenntnisse wür­den ihm im Ersten und Zweiten Weltkrieg noch von Nutzen sein.

Auf Helgoland wurde Erich „Eäk Fink“ genannt, das hörte er jedoch nicht so gern. Schon mit 19 Jah­ren trat er im Januar 1910 in die Kaiserliche Deutsche Marine ein und blieb dort bis Juni 1912. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, war er schon von Beginn an wieder bei der Marine und kam erst Ende März 1919 nach Helgoland zurück.

Verdächtigungen der Nazis: Helgoländer sind Staatsfeinde

Am 29. Oktober 1919 heiratete er seine große Liebe, die Helgoländerin Tina Therese Bartz, genannt The. Lange hatte er um sie geworben, und als sie dann endlich „ja“ sagte, begann ihre glückliche Ehe. Von 1924 bis 1929 war er engagierter Gemeindevertreter und verteidigte die alten Helgoländer Rechte und Traditionen, wofür ihm unter anderem Separatismus vorgeworfen wurde. Bewusst sprach er so oft wie möglich seine Heimatsprache Helgoländisch. Ab 1925 war Helgoland an der großen „Nordsee-Regatta“ beteiligt. Dies war auch teilweise ein Ergebnis von Erich Friedrichs’ kluger Vorarbeit als Vorstand des Helgoländer Regatta-Komitees. Die Nordsee-Woche mit ihren Segelregatten rund um Helgoland erfreut sich noch heute großer Beliebtheit.

Friedrichs’ Engagement für das Segeln um Helgoland hielt weiter an. Am 1. Ostertag 1928 gründete er den „Helgoländer Yachtclub“, dessen 1. Vorsitzender er lange blieb. Ihm ist es auch größtenteils zu verdanken, dass das Werk des Helgoländers Jacob Andreesen Siemens geehrt und ihm ein Denkmal gesetzt wurde. Hatte Siemens doch mit der Gründung des Seebades Helgoland im Jahr 1826 der Insel eine wirtschaftliche Basis geschaffen, die weiter ausgebaut werden konnte und von der sie noch immer profitiert.

Zusammen mit seinem Freund, dem Helgoländer Kaufmann August Kuchlenz, und anderen gehörte er zum Helgoländer Heimatbund. Dieser Verein gab von Oktober 1926 bis Mai 1933 das monatliche Mitteilungsblatt „Helgoländer Heimatbund“ heraus, das maßgebliche Inselblatt. Sie sahen sich selbst als der Deutschnatio­nalen Volkspartei (DNVP) nahe stehend an. Nach der Machtergreifung der Natio­nal­sozialisten 1933 änderte sich deren Haltung zu den Helgoländer Sonderrechten radikal. Die alten Verdächtigungen, dass die Helgoländer Staatsfeinde seien, wurden von ihnen wieder aufgenommen. Friedrichs musste seine offiziellen Ämter niederlegen. Zusammen mit seinem Freund August Kuchlenz wurde er zur politischen Umerziehung in ein Konzentrationslager auf dem Festland geschickt.

Man entschloss sich zu handeln

Nach seiner Entlassung widmete sich Friedrichs jahrelang hauptsächlich seinem Restaurant, dem „Friesenhaus“ in der Schifferstraße, das er mit seiner Frau Therese erfolgreich führte. Dort erwarb er sich auch den Ruf, der nüchternste Wirt von Helgoland zu sein, denn er trank nur selten einmal einen Grog mit seinen Gästen. Ihre gemütliche Wohnung und ein kleines Büro lagen im ersten Stock. Es ergab sich deshalb oft ganz spontan, dass Freunde und Gleichgesinnte, nachdem sie unten ihr Bier oder ihren Grog getrunken hatten, einen kurzen Abstecher nach oben machten, ohne dass es den übrigen Gästen auffiel. Und so bildete sich allmählich der Kreis, der voller Sorge das Ende des Zweiten Weltkrieges und seine Folgen für Helgoland beobachtete und sich entschloss zu handeln.

Das „Friesenhaus“ in der Schiffer-
straße.
Foto: Museum Helgoland

Man traf sich heimlich bei Friedrichs und bei Dachdeckermeister Georg Braun. Das Ziel war, die Insel vor der Zerstö­rung zu retten, indem man sie ohne Widerstand den Alliierten übergab. Der Plan misslang weil er verraten wurde. Am frühen Morgen des 18. April 1945 wurde Erich Friedrichs verhaftet und in der darauffolgenden Nacht nach Cuxha­ven überführt. Am 21. April 1945 erfolgte in Cuxhaven Sahlenburg die Hinrichtung – nur zweieinhalb Wochen vor Ende des Krieges.

Seine Frau erzählte später, er sei mit den Worten gestorben: „Ich liebe Helgoland“, Worte, die er sein ganzes Leben lang immer wieder bewiesen hatte. Therese Friedrichs wurde wie viele Helgoländer in der Nacht vom 19. auf den 20. April 1945 von der Insel evakuiert. Bis zu ihrem eigenen Tod 1968 trauerte sie um ihren Mann. Oft stand sie an seinem Grab in Cuxhaven, wohin es sie mit aller Macht zog. „Er war der Inhalt meines ganzen Lebens gewesen“, schrieb sie später.

Durch die Zerstörung der Insel und die Evakuierung der Bevölkerung war Erich Friedrichs’ Schicksal lange in den Hintergrund geraten. Aber inzwischen hat er dort, wo er hingehört, seine letzte Ruhestätte gefunden: auf dem St. Nicolai-Friedhof seiner Heimatinsel Helgoland.

Stolperstein. Foto: privat

Anmerkung: Das Vorhergehende ist ein Auszug aus dem Buch „Wir wollten Helgoland retten – Auf den Spuren der Wider­stands­gruppe von 1945“, von der Helgo­länderin Astrid Friederichs, April 2010, ISBN 987-3-00-030405-7. Das Buch ist im Museum Helgoland für 13,95 Euro erhältlich. Aus Anlass der Recher­chen zu diesem Buch wurden 65 Jahre nach der Ermordung Friedrichs, am 17. April 2010, durch den Förderverein Museum Helgoland e.V. auf der Insel Stolper­steine zur Erinnerung und Ehrung an die Widerstandsgruppe verlegt.

(Gestaltung: ABU)

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Ein Gedanke zu „Erich Paul Jansen Friedrichs (1890 – hingerichtet 1945)

  1. Erschütternder Bericht! Welch vielschichtige Tragik. Ausgerechnet den seltenen Fall einer tiefen seelischen Partnerverbindung muss es so unglücklich treffen. Es wäre interessant zu erfahren, wer die Verräter waren und was diese nach dem Krieg so getrieben haben…

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